Post an Konzerne
Das Deutsche Tierschutzbüro schreibt alle bekannten Handelskonzerne an. Sie können dieses auch als pdf herunterladen. Wir möchten unter anderem in Erfahrung bringen, ob in den einzelnen Verbrauchermärkten Kaninchenfleisch verkauft wird und woher dieses bezogen wird. Außerdem interessiert uns, wie die Herkunft kontrolliert wird. Können die Konzerne Massentierhaltung ausschliessen?
Lesen Sie im Anschluss den Text unseres Schreibens.
Verkauf von Kaninchenfleisch in Ihren Verbrauchermärkten
Sehr geehrte Damen und Herren,
vor etwa einem Jahr ging ein Fleischskandal der besonders grausamen Art durch die Medien. Der Auslöser waren von Tierschützern verdeckt gedrehte Filmaufnahmen, die den Alltag in deutschen Kaninchenmastbetrieben zeigten.
Jedes Jahr werden in Deutschland ca. 30 Millionen Tiere verspeist, die auf mehr als 150 Mastanlagen in nur wenigen Monaten herangemästet werden. Erstmals wurde in breiter Öffentlichkeit aber bekannt, unter welchen Zuständen Kaninchen in der industriellen Massentierhaltung ihr Dasein fristen müssen. Ähnlich der Batteriehaltung von Legehennen waren die empfindlichen Nagetiere offensichtlich in viel zu kleinen Drahtgitterkäfigen untergebracht, mangels Einstreu zeigten viele Tiere eingeschnittene Pfoten. Durch den nicht entfernten Kot unter den Käfigen entstandene Ammoniakgase führten zu sichtbar großflächigen Entzündungen und Verätzungen der Schleimhäute; verletzte Ohren und Schwänze wiesen mit Bissverletzungen auf Kannibalismus hin. Solche Zeichen sind eindeutige Belege für fehlende Möglichkeiten artgerechten Verhaltens. Zu niedrige Käfige verursachen in der Intensivtierhaltung zudem schwere Wirbelsäulenschäden. Insgesamt sterben viele Tiere unter solch katastrophalen Haltungsbedingungen noch vor dem Schlachttermin.
Recherchen von Tierschützern sowie der ARD ergaben eindeutig, dass das Fleisch der gequälten Tiere auch in deutschen Verbrauchermärkten vertrieben wurde. Mehrere TV-Formate berichteten damals ausführlich, darunter etwa ARDPlusminus und RTL-SternTV. Unter dem Druck der Öffentlichkeit sowie den erschreckenden Bildern nahmen so gut wie alle großen deutschen Supermärkte vom Verkauf von Kaninchenfleisch Abstand, bis die jeweiligen Zulieferer lückenlos nachweisen konnten, ohne tierquälerische Haltungsformen auszukommen. Ein großer Missstand in der Kaninchenmast ist es aber nach wie vor, dass es EU-weit keine gesetzlich verpflichtenden Mindeststandards für die Haltung wie in anderen Formen der Tiermast gibt. Damit ist der Verbraucher also auf sein Vertrauen zum Händler und dessen Qualitätskontrolle angewiesen, will er sicher sein, kein Fleisch aus tierquälerischer Massenmast zu kaufen.
Ein gutes Jahr später möchten wir mittels einer Videodokumentation über über die Herkunft von Kaninchenfleisch den Verbraucher über den Verlauf der Entwicklung in diesem Fall informieren.
Da wir auch großen Wert auf Ihre Aussagen als Handelsunternehmen legen, senden wir zu diesem Zweck auch an Sie diese Anfrage:
Gerne möchten wir in Erfahrung bringen, zu welchem Ergebnis Ihre Untersuchungen gekommen sind. Verkaufen Sie in Ihren Verbrauchermärkten wieder Kaninchenfleisch? Wenn dem so ist, woher beziehen sie es; können Sie sicherstellen, dass die Kaninchen nicht aus einer quälerischen Intensivhaltung stammen? Welche Mittel nutzen Sie zur Überprüfung? Wir danken im Namen der Verbraucher für Ihre Mitarbeit und erwarten eine zeitnahe Stellungnahme innerhalb der nächsten 14 Tage. Sollten Sie noch Rückfragen haben, zögern Sie nicht und wenden Sie sich direkt an uns.
Mit freundlichen Grüßen
Ingo Schulz
Deutsches Tierschutzbüro
